Behandlungsschwerpunkte – Erwachsene

By , 31/10/2009 08:26

Ängste und Zwänge

Angsterkrankungen und Zwänge nehmen in der Bevölkerung immer mehr zu. Angst ist normalerweise eine Art Frühwarnsignal und dient, uns vor physischen und psychischen Schäden zu bewahren. Wenn Angst übertrieben oder irrational ausgeprägt ist, kann sie jedoch auch das Gegenteil bewirken: angstauslösende Situationen werden gemieden, es entsteht eine andauernde Spannung, eine Angst vor der Angst und ständige Sorgen, auch  können physische Beschwerden und Schmerzen auftreten und der oder die Betroffene muss auf vieles verzichten und fühlt sich in seiner/ihrer Lebensqualität stark eingeschränkt.

Die am häufigsten vorkommenden Angststörungen sind Phobien wie z. B. die Klaustro- und Agoraphobie (nach Mundart “Platzangst”, also Angst vor zu engen oder zu weiten Plätzen), die soziale Phobie, die Höhenangst oder Flugangst, spezifische Phobien wie z.B. jene vor Tieren (Spinnen, Mäusen, Schlangen usw.) und vor allem bei Kindern auch jene vor der Schule, vor Dunkelheit oder vor Trennung, die generalisierte Angststörung (ein allgemein unspezifisches und hohes Angstniveau) und die Panikstörung (Panikattacken).

Zwangsstörungen können aus Zwangshandlungen und/oder Zwangsgedanken bestehen. Zwangshandlungen sind Rituale, welche immer wieder aus- oder durchgeführt werden müssen. Sie beziehen sich vor allem auf Reinlichkeit (Waschzwang), Sauberkeit (Putzzwang), übertriebene Ordnung oder wiederholte Kontrollen. Zwangsgedanken bestehen aus zwanghaften Ideen, bildhaften Vorstellungen oder Zwangsimpulsen, z. B. ein sich aufzwingender und als bedrohlich erlebter Gedanke und Impuls, eine geliebte Person zu verletzen oder zu töten. Beide Formen von Zwangsstörungen werden von der betroffenen Person als quälend empfunden, da sie als sinnlos erlebte Handlungen oder Gedanken erlebt werden. Beide dienen in der Regel, um das Auftreten negativer Konsequenzen zu umgehen oder eine möglicherweise gefährliche Situation zu umgehen. Letztendlich dienen sie der Eindämmung von Angst und stehen oft im Zusammenhang mit einer Depression.

Durch die Anwendung verschiedener psychotherapeutische Verfahren, vor allem aus der kognitiven Verhaltenstherapie, gelingt es mittlerweile sehr gut, Ängste und Zwänge zu bewältigen.

Depressionen

Depressionen sind mittlerweile zu einer Volkskrankheit geworden und nehmen auch weiterhin zu. Die betroffene Person leidet gewöhnlich unter gedrückter Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit und einer Verminderung des Antriebs. Die Verminderung der Energie führt zu erhöhter Ermüdbarkeit und Aktivitätseinschränkung. Deutliche Müdigkeit tritt oft nach nur kleinen Anstrengungen auf. 
Weiters können Symptome wie übermäßige Trauer, Schuldgefühle, Gefühle von Minderwertigkeit und Leere, Hoffnungslosigkeit, Lustlosigkeit und Verlust der Libido, verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven auftreten. Nicht selten führen nicht behandelte starke und über längeren Zeitraum anhaltende Depressionen sogar zum Tod durch  Suizid. 
Manchmal neigen Depressionen zum zyklischen Verlauf, treten also mehrfach auf. Neben der unipolaren Depression (die Stimmung ist nur zu einem Pol hin verschoben, nämlich in Richtung Schwermut) gibt es auch die  bipolare Störungen, bei denen die Stimmung zwischen Manie (Euphorie, Tatendrang, hohe Energie, Gereiztheit) und schwermütiger Depression hin und her pendeln kann (manisch-depressive Erkrankungen).

Neben einer Psychotherapie ist es oft notwendig, dass der/die Betroffene auch pharmakologisch unterstützt wird. Das psychotherapeutische Gespräch hilft, die Auslöser einer Depression sowie ungünstige und aufrechterhaltende Faktoren zu erkennen, belastende Erlebnisse zu verarbeiten, neue Verhaltensmuster zu erlernen und somit das eigene Selbst zu stärken.

Burn-Out-Syndrom

Das Burn-Out stellt eine Art depressive Verstimmung dar. Es handelt sich hierbei um ein Erschöpfungssyndrom, dass durch übermäßige Stressoren oder Überbelastungen ausgelöst wird und bei dem eine geistige, seelische und/oder körperliche Erschöpfung vorliegt, die bis zum Zusammenbruch führen kann.

In der Psychotherapie geht es vor allem darum, Stressfaktoren zu erkennen, diese auszuschalten bzw. zu lernen wie man ihnen anders begegnen kann, damit kein ungesunder Stress mehr entsteht. Die wirkvollste Methode hierfür ist das Coping oder auch Stressmanagement genannt.

Pschosomatische Störungen

Eine somatoforme Störung wird vermutet, wenn körperliche Beschwerden vorliegen, für die keine medizinische Erklärung gefunden wird. Es handelt sich also um eine seelische Störung, die sich in körperlichen Symptomen äussert.

Typisch ist, dass Betroffene auf der Suche nach einer körperlichen Erklärung oftmals von Arzt zu Arzt wandern (“doctor-shopping”) und Behandlung um Behandlung durchführen, ohne nennenswerte Erfolge.

Im Vordergrund der Beschwerden stehen Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Erschöpfung und Schmerzen; auch Beschwerden des Herz-Kreislaufsystems oder des Magen-Darmtrakts sind häufig.

Eine Psychotherapie ist deshalb sehr sinnvoll, damit die wahren Ursachfaktoren erkannt und verarbeitet werden können. Körperorientierte Verfahren haben sich hierfür als sehr nützlich gezeigt, da sie selbst die Sprache des Körpers sprechen.

Traumata

Eine Trauma Erkrankung wird durch das Erleben eines schrecklichen Ereignisses hervorgerufen, welche die menschliche Psyche dermaßen überfordert, dass eine normale Verarbeitung nicht mehr möglich ist. Beispiele für Erlebnisse, die Traumata auslösen können, sind Gewalt, Krieg, Mord, Folter, Vergewaltigung, sexueller Missbrauch, Misshandlung, Vernachlässigung, Unfälle, Katastrophen oder schlimme Krankheiten. Mitunter kann die bloße Zeugenschaft eines solchen Ereignisses auf die beobachtende Person traumatisierend wirken. Das wichtigste Symptom ist emotional intensives Wiedererinnern, welches manchmal sehr plötzlich auftreten kann und sich so anfühlen kann, als befinde man sich tatsächlich wieder in der traumatischen Situation (Flashbacks, Alpträume). Nicht immer jedoch sind die Symptome klar ersichtlich. Sie können auch unterschwellig in Form von Daueranspannung und Übererregung mit hoher Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, psychosomatische Beschwerden, übertriebene Ängste, emotionale Abstumpfung und Gleichgültigkeit auftreten. Manchmal treten die oben beschriebenen Symptome erst Monate oder sogar Jahre nach einem traumatischen Ereignis auf. Die häufigste Folgeerkrankung ist somit die posttraumatische Belastungsstörung.

Moderne Psychotherapie kann helfen, Erinnerungen so zu verarbeiten, dass sie nicht mehr schmerzen. Immaginations-  und Gesprächstherapie kombiniert mit körperorientierten Verfahren haben sich dazu als sehr  wirkungsvoll erwiesen.

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